14. Mai 2015 Christine Anger

70. Jahrestag der Befreiung des KZ Flossenbürg am 23. April

Die Befreiung vom deutschen Faschismus vor 70 Jahren brachte auch endlich die Befreiung für viele Tausende von Häftlingen in den deutschen Konzentrationslagern und ihrer Außenlager. Am 23. April 1945 erreichte das 358. Regiment der 90. Infanterie-Division der US-Armee das KZ Flossenbürg in der Oberpfalz und brachte für 1.527 Häftlinge, die in diesem Lager geblieben waren, die Freiheit.

Aus Anlass dieses denkwürdigen Ereignisses lud die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg die Stadt Pirna zur feierlichen Gedenkveranstaltung ein, hatte doch in Pirna-Mocketal-Zatzschke eine Außenlager dieses Konzentrationslagers bestanden. Christine Anger, Mitglied im SKS-Beirat des Stadtrates zu Pirna, und Bernd Anger, Vorsitzender des VVN-BdA e.V. Sachsen  Kreisverband Sächsische Schweiz, nahmen in würdiger Tradition an der dieser Veranstaltung teil.

Herr Dr. Skriebeleit, Leiter der Gedenkstätte, dankte allen in Flossenbürg angereisten Personen sehr herzlich für ihre Teilnahme. Nie in den Jahren zuvor waren so viele Menschen gekommen. Er begrüßte mehr als 40 ehemalige Häftlinge, welche noch zu reisen in der Lage sind und in vielen Ländern der Welt leben; am entferntesten in Kanada und Brasilien. Die größte Gruppe kam aus Polen und der Ukraine. Über 500 Angehörige - Enkel, Urenkel, Nichten und Großnichten waren der Einladung zur Ehrung ihrer einstmals inhaftierten Angehörigen gefolgt. Unter den zahlreichen Gästen waren auch Konsule aus den Herkunftsländern der einst Inhaftierten sowie US-Armee-Angehörige der ehemals 1945 befreienden 90. Infanterie-Division.

Die von Flossenbürg am Gedenktag zur Befreiung ausgehende Botschaft ist:

"Wir blicken nicht nur zurück - wir leben weiter und schauen nach vorn."

Als 1979 erstmalig ein bayrischer Ministerpräsident nach Flossenbürg kam - nicht ganz freiwillig, sondern auf Bitten des damaligen italienischen Ministerpräsidenten hin, weil eine internationale Gruppe von Häftlingen die Forderung nach einer Gedenkstätte wider des Vergessens aufmachte - wurde dem Gedanken näher getreten, Flossenbürg ein Gesicht und einen Ort zum Gedenken,  zur Mahnung und Erinnerung zu geben.

Dr. Jack Terry, der Sprecher der ehemaligen Häftlinge des KZ Flossenbürg, zeichnete in seiner Rede u. a. den langen und schwierigen Weg nach, der zum Aufbau der Gedächtnisstätte Flossenbürg führte. Jetzt, da dieser Ort beinahe fertig gestellt ist, dürfen wir es alle schlichtweg nicht zulassen, dass er nur zu einem weiteren Denkmal und Museum wird. Der Schwur: "Nie wieder!" bedeutet in der heutigen politisch chaotischen Welt der erneuten Völkermorde, des erstarkten Antisemitismus und Rassismus, der Diskriminierung Andersgläubigen: es gilt erst recht nicht zu schweigen!

Die Notwendigkeit der Bildung unserer jungen Menschen ist äußerst wichtig. Die seit Jahren in Flossenbürg stattfindenden Wochen der internationalen Jugendbegegnung zu Projekten der Gedenkstätte sind Meilensteine in der Erziehung junger Menschen aus vielen Ländern.  

Vertreterinnen und Vertreter aus sieben Ländern, die am diesjährigen Treffen der Internationalen Jugendbegegnung teilnahmen bekundeten, ihr in diesen Tagen erworbenes Wissen in einen globalen Zusammenhang zu stellen; Wege zu suchen, Probleme und Lösungen zu finden, um einen Beitrag zur Schaffung einer toleranten Gesellschaft zu leisten. An diesem Gedenktag ist ein Bildungszentrum im ehemaligen SS-Casino, lange Zeit als Gaststätte genutzt, eingeweiht worden und wird über Grenzen hinweg wirken.

Am 26. April 2015 fanden sich namhafte Politiker aus Bund, Land und Gemeinden unter ihnen Horst Seehofer, Ministerpräsident Bayerns; Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien der BRD; Barbara Stamm; Claudia Roth; Daniel Hermann, Minister für Kultur der Tschechischen Republik zum Gedenkakt ein.

Herr Seehofer führte u. a. aus: dieser Ort erfüllt ihn mit Scham - als Politiker, als Deutscher, als Mensch. Die Erinnerung an das Geschehene wach zu halten ist Auftrag und Verpflichtung! Auch Frau Prof. Grütters richtete ihre Worte an die jungen Menschen: das Geschehene niemals als Gegebenes hinzunehmen; Anstand und Zivilcourage zu zeigen und den Mund "aufzumachen", "dagegen" zu sein - notwendiges Tun ist immer angesagt, denn Antisemitismus, Rassismus, Völkerfeindlichkeiten dürfen nie wieder mit Aktivitäten untermauert werden!Eine erneutes herzliches Zusammentreffen hatten wir wieder mit den ehemals in Pirna-Mocketal-Zatzschke inhaftierten Herren Josef und Michael Salomonovic, die schon ein paar Mal in Pirna als Zeitzeugen über die schrecklichen Jahre im Konzentrationslager vor allem vor jungen Leuten berichteten. Einen regen Erfahrungs- und Gedankenaustausch über Bewahrung, Umgang, Aktivitäten und weiterer Forschungen zu bestandenen Außenlagern in Sachsen führten wir auch beim diesjährigen Treffen mit den Vertretern der Städte Lengenfeld/Vogtland, Oederan und Limbach-Oberfrohna.

Mit einer Kranz- und Blumenniederlegung am Platz der Nationen im Tal des Todes in der Anlage des ehemaligen KZ-Flossenbürg fand die würdige, berührende Gedenkveranstaltung ihren Abschluss. Wir legten für die Opfer des KZ-Außenlagers bei Pirna ein Blumengebinde für unsere Stadt, namens des Oberbürgermeisters nieder.

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